Food & Drinks

Detox? Bitte nicht! 

26. Dezember 2016
Die große Detox-Lüge

Neues Jahr, neues Körperglück. „Im kommenden Jahr werde ich endlich richtig fit!“ und „ab sofort ernähre ich mich nur noch gesund“ und „ich nehme endlich ab“ sind ganz klassische Aussagen um die Jahreswende. Der Ansatz, etwas in seinem Leben ändern zu wollen und in seine Gesundheit und sein Selbstwertgefühl zu investieren, ist selbstverständlich ein guter – die Umsetzung oft fatal. Denn viele glauben, ihrem Körper mit einer Detox-Kur zu helfen. Womit sie voll daneben liegen. 

Detox: Die große Lüge

Denn Detox ist nichts anderes als ein kluges Marketing-Konzept der Lebensmittelindustrie, welches uns Konsumenten eine exotische Gesundheitsmaßnahme suggerieren soll. Überall lesen wir von exotischen Detox-Kuren der Topmodels, von den heilenden Wirkungen der Detox-Tees, von Tabletten, die den Körper von allem Bösen befreien sollen und von Detox-Smoothie-Rezepten auf semiprofessionellen Foodblogger-Profilen. Detox ist großer Quatsch und die einzige messbare Wirkung kann allerhöchstens die des Abführens sein – in Form von Durchfall. Befreiend, aber zwecklos bis gefährlich.

Wir brauchen kein Detox, weil unser Körper den Job schon ganz gut selbst macht. Ich korrigiere: Es IST sein Job. Unser Körper hat nämlich einen komplexen Entgiftungsapparat, bestehend aus Niere, Leber und sogar Haut, welcher die Funktion des „Aufräumens“ und „Entgiftens“ übernimmt. Hauptaufgaben dieser Organe sind nämlich Schadstoffe (zum Beispiel Rückstände von Pestiziden auf Obst oder kleinste Mengen Schwermetalle, die wir durch Straßenstaub einatmen) abzuführen und zum Beispiel über Urin oder Stuhlgang auszuscheiden. Im Konkreten:

→ Die Leber reinigt und entgiftet den Körper, indem sie die Abfälle aus Deinem Körper aufnimmt und in Form von Gallenflüssigkeit entsorgt. Bei gesundem Zustand kann sie überhaupt gar keine Schadstoffe speichern!

→ Die Nieren transportieren den „Müll“ ebenfalls aus dem Körper. Würde dieses System nicht funktionieren, blieben die Schadstoffe in unserem Blutkreislauf, aber nicht in den Nieren.

Wäre also bei diesen Organen irgend etwas kaputt, dann würde auch keine Detox-Kur helfen. Denn dann wären wir tot, weil vergiftet. 

Die große Detox-Lüge

Teuer und wirkungslos

Warum haben mit „Detox“ gekennzeichnete Produkte solch eine Anziehungskraft? Ganz klar: Sie versprechen eine Reinigung, ein Entschlacken oder eine Entgiftung und somit eine bessere Gesundheit, ein besseres Körpergefühl, ein besseres Aussehen, ja sogar ein paar Pfunde weniger. Wer möchte das nicht?

Nun ist es aber so, dass es keine einzige wissenschaftliche Studie gibt, die die Wirkung von Detox-Produkten wie etwa Tees bestätigt. Und sogar die Unternehmen selbst, die Detox-Produkte anbieten, können keine Wirksamkeit nachweisen. Detox ist am Ende also nur eine Konsumenten-Falle, die den Konsumenten sogar noch jede Menge Geld kostet. Denn wo Detox draufsteht, wird mehr abkassiert. Ich möchte es noch drastischer ausdrücken: Wir zahlen für eine Lüge.

Einer der Gründen, weshalb ich bisher alle Kooperationsanfragen für Detox-Produkte abgelehnt habe und auch in Zukunft ablehnen werde – solange sie im Rahmen einer Detox-Kur zur „Entgiftung“, „Reinigung“ oder „Heilung“ eigesetzt werden sollen – denn das wären haltlose Versprechen, die ich an meine Leser nicht weitergeben möchte. Dass ich aus Prinzip keine Detox-Produkte konsumieren würde, kann ich jedoch nicht sagen. Solange es ein schmackhaftes Produkt oder Genussmittel ist  – warum nicht? Es Ich muss an dieser Stelle sogar zugeben: Ich kaufe ab und zu einen Detox-Tee, weil er mir einfach gut schmeckt und weil er viele Zutaten enthält, die mir gut tun: Brennnessel, Ingwer, Melisse, Ginseng, grüner Tee, Mate, Süßholzwurzel. Was fällt euch auf? Richtig. Keine magischen Kräuter. Sondern Zutaten, die ihr auch in Tee’s bekommt, auf denen kein „Detox“ draufsteht. Was ich euch damit sagen will: Wenn euch der Verzicht auf feste Nahrung, eine Saftkur, ein bestimmter Tee oder eine Darmspülung Spaß macht, gut tut und weiter bringt, dann macht es. Doch bitte bedenkt die Risiken und fragt euch, mit welchem Ziel ihr das macht und ob ihr es auf diesem Weg erreicht.

Und bedenkt bitte auch: Kein Tee, kein Saft, keine Tablette, kein chinesisches Pflaster für die Fußsohle wird es schaffen, das Weihnachtsmenü auszuspülen und die Extra-Kalorien auszulöschen, sodass sie sich nicht ansetzen. Auch der Alkohol wird nicht ausgespült, sondern von der Leber abgebaut und die kann mit dem Detox-Hokuspokus überhaupt nichts anfangen. Auch können wir mit Detox keine Schlackenstoffe aus dem Körper führen – ganz einfach darum, weil es so etwas wie Schlackenstoffe im menschlichen Körper gar nicht gibt. Auch das ist eine Lüge der Nahrungsergänzungsmittel-Branche.

Die große Detox-Lüge

Die Nachteile der Detox-Kuren

Nehmen wir als Beispiel eine der sündhaft teuren Saftkuren, die in ein paar Tagen den Körper reinigen sollen. In den Flaschen ist nichts anderes, als Gemüse, Obst, hier und da ein Superfood, ein paar Gewürze. Gibt’s alles zum halben Preis im Supermarkt, doch das ist ein anderes Thema. Der springende Punkt hier ist, dass diese „modernen Fastenkuren“ nichts anderes bewirken, als dass die Psyche glaubt, alle „Sünden“ der letzten Zeit durch den Verzicht auf feste Nahrung und die Aufnahme von rein pflanzlichen Bio-Produkten in flüssiger Form wieder gut machen zu können. Wir glauben uns direkt besser, frischer, schlanker zu fühlen. Gut möglich! Der Körper bekommt schließlich weniger Kalorien, der Magen zieht sich zusammen, der Bauch wird flacher und es kann auch sein, dass wir Wasser oder und sogar Muskeln verlieren und dadurch 1-2 kg Körpergewicht.

Doch was glaubt ihr, was passiert, wenn die Saftkur vorbei ist und ihr zu eurem regulären Lifestyle zurückkehrt? Richtig. Der Körper passt sich augenblicklich an die neuen Umstände an und hat schnell vergessen, dass er einige Tage nur Gemüse und Obst bekam. Er macht das, was er immer tat: Er nimmt Nahrung auf, verarbeitet die Nährstoffe, verwandelt sie in Energie und schmeißt alles raus, was er nicht braucht. Ja! Dafür ist unser Körper da! Und er kam schon immer prima ohne Darmreinigungen aus.

Wenn wir nach einer Fastenkur also wieder essen und trinken, wie VOR der Fastenkur, haben wir nichts erreicht, außer, dass wir den Körper zusätzlich gestresst haben. Und im Zweifel haben wir sogar ein paar Kilos mehr auf den Hüften, weil der gemeine Jojo zugeschlagen hat. Ganz einfaches Prinzip: Während einer Fastenkur (also bei einer minimalen Kalorienzufuhr) schraubt der Körper seine Stoffwechselfunktionen herunter, um die Körperreserven (in Form von Fett) zu speichern, damit er überlebensfähig bleibt. Unser Körper glaubt nämlich noch in der Steinzeit zu leben und ist deshalb immer noch darauf programmiert, alles zu tun, um ihn in allen potenziellen Notlagen – etwa bei einer tagelangen Verfolgungsjagd durch einen sibirischen Tiger – vor dem Tod zu schützen. Wenn der Körper nach einer längeren Hungerkur also eine deutlich höhere Kalorienmenge aufnimmt, wird er in weiser Voraussicht und aus Angst vor einer neuen Notlage die zugeführte Energie doppelt und dreifach anlegen und erst recht dran festhalten, damit er bei der nächsten „Verfolgungsjagd“ nicht wieder in ein Energiedefizit rutscht. 

Saftkur: Alles Quatsch

Es kann so einfach sein

Wirksamer als eine Detox- oder Fastenkur ist deshalb regelmäßiger Sport, viel frische Luft, eine positive Einstellung zum Leben sowie eine konstant gesunde, ausgewogene Ernährung, in der der Körper alle notwendigen Nährstoffe und Kalorien bekommt, um gut zu funktionieren. Und wenn er gut funktioniert, schafft er es locker, die paar Zimtsterne, den Braten und den Schampus wegzustecken, ohne dick oder krank zu werden.

Wenn ihr dennoch das dringende Bedürfnis empfindet, euren Körper nach dem Weihnachtsschmaus zu entlasten, dann empfehle ich ein paar Tage clean zu essen, auf Fleisch, Alkohol und Industriezucker in jeglicher Form zu verzichten und einfach etwas weniger als „zu viel“ zu essen, um die Organe und vor allem das Verdauungssystem zu entlasten. Am wichtigsten ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser und viel Obst und Gemüse – welches gerne gekaut werden darf, damit der Verdauungsprozess vollständig ist. Und wer nach Weihnachten mit überflüssigen Pfunden kämpft, dann tut er’s vermutlich nicht, weil er nur an Weihnachten über die Strenge geschlagen hat, sondern weil er über einen längeren Zeitraum im Kalorienüberschuss aß. Wer diese Extrakilos loswerden möchten, aber nicht weiß wie, kann mich gerne via Mail kontaktieren und sich über ein individuelles Coaching informieren. 

„Es gibt nur zwei Arten von Detox. Die eine funktioniert, die andere nicht.“

„There are two types of detox: one is respectable and the other isn’t.” sagt Edzard Ernst gegenüber The Guardian. Und er bezieht sich hierbei auf wenige Ausnahmen, in der „Detox“ wirklich funktioniert: bei der Dialyse von Schwerkranken, beim Drogen- oder Alkoholentzug und wenn der Magen bei Vergiftungen ausgepumpt wird. Und das sind wirklich die einzigen Ausnahmen. Alles andere sei nach Eduard nicht einfach nur unwirksam, sondern sogar Betrug. Die Wissenschaft stimmt ihm zu – ich hoffe, ihr nun auch. 

 

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5 Kommentare

  • Reply Lina 27. Dezember 2016 at 18:19

    Danke :)! Für diesen tollen Beitrag – der mich zum nachdenken anregt…ich selbst habe auch mal eine Detox-Kur gemacht. Denke aber auch, eine gesunde Lebenseinstellung und ein bewusster Lebensstil ist Wichtigste! Liebe Grüße und das Allerbeste für euren Umzug nach Deutschland!

    • Reply mama moves 28. Dezember 2016 at 11:31

      Danke liebe Lina!

  • Reply Steffi 28. Dezember 2016 at 12:53

    Hallo liebe Yavi, Danke für diesen Post da auch ich so ein Opfer der Neujahrsvorsätze bin (shame on me)
    Na jedenfalls hatte ich vor mit Bentonit und flohsamenschalenpulver ein Shake zu machen, diesen dann nach Anleitung ca. 6 Wochen einzunehmen und erhoffte mir dadurch eine bessere Haut im Gesicht zu bekommen… da sie voller Unterlagerungen ist und ich keine Ahnung mehr habe was ich noch dagegen tun kann.
    Rätst du mir unter diesem Aspekt auch davon ab? Liebe Grüße

  • Reply Schnecken_mom 29. Dezember 2016 at 19:40

    Liebe Yavi, ein toller Beitrag! Du hast mich nochmal in dem bestärkt, was ich mir schon dachte. Es ist gut das auch mal aus professioneller Sicht zu lesen, manchmal denkt man, man verpasst etwas nur weil man nicht detoxt *augenroll. Ich habe mir letztes Jahr mal 2 Wochen „Detox“ selbst auferlegt, kein Kaffee, kein Zucker, kein Alkohol, wenig Fleisch und nur „clean“, keine Kohlensäure und abends keine Kohlenhydrate. Ich hab es 1 Woche geschafft. Ich hatte 3 Tage Kopfschmerzen des Todes vom Kaffeeentzug (und da trink ich nur 1 Pott morgens) und ich konnte das stille Wasser nicht mehr sehen, egal ob mit Tee oder frischen Früchten. Also wars das :-/ . Im neuen Jahr Versuch ich es nochmal in abgeschwächter Form, also kein Alkohol, kein Zucker, wenig Fett, das ist bestimmt zu schaffe 😉 . Liebe Grüße

    • Reply mama moves 29. Dezember 2016 at 20:12

      Das ist ein vernünftiger, gesunder Plan! Viel Erfolg bei der Umsetzung! Liebste Grüße, Yavi

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